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Im Wohnzimmer

16. May 2008

Viel ist über die Rebellen vom FC United of Manchester geschrieben worden. Nach wie vor gilt der Klub vielen als Symbol gegen den Kommerz im modernen Fußball. Wie aber sieht dort ein normaler Samstagnachmittag aus? Der Fotograf Philipp Wente zeigt Bilder von einem Ort, wo der Fußball zu Hause ist.

Es war ein Nachmittag mit wechselvollem Verlauf gewesen. Der Congleton FC hatte sich als unbequemer Besucher im Halbfinal-Rückspiel des Challenge Cups erwiesen. Nach dem 1:1 im Hinspiel waren die Gäste zweimal in Führung gegangen, erst mit 1:0 und kurz nach der Pause mit 3:2. Es wurde also eng für den FC United of Manchester. Dann aber fiel erst der erneute Ausgleich und in der 70. Minute kam es zur Eruption, als nämlich Rob Nugent zum 4:3 traf.

Dabei blieb es, ein weiterer erfolgreicher Tag in der jungen Geschichte des Vereins, der sich 2005 als Reaktion auf die Übernahme von Manchester United durch den amerikanischen Milliardär Malcolm Glaszer gegründet hatte. Seitdem ist der FC United jedes Mal, also zweimal aufgestiegen, und tritt in der neuen Saison in der Northern Premier League Division One North, der achten Spielklasse, an.

Die Pläne für die Zukunft sind ambitioniert: Zwei weitere Aufstiege sollen es mindestens sein, außerdem will der Klub bis spätestens 2012 ein eigenes Stadion bauen, ganz in der Nähe von Old Trafford, das ja einmal ihr Theater der Träume war. Doch auch wenn der FC United bis dahin in der alten Wellblechhütte des Viertligisten FC Bury aus der Nachbarschaft von Manchester spielen muss, bleibt der Eindruck, dass der Fußball bei diesem Verein und seinen Anhängern zuhause ist.

Die Bindung zwischen den Fans und der Mannschaft ist eng, was auch damit zusammenhängt, dass die auf und neben dem Platz nicht von unterschiedlichen Planeten kommen. Die Feierabendfußballer des FCUM decken das gesamte gesellschaftliche Spektrum ab, sie sind Arbeiter, Arbeitslose, Akademiker und Studenten. Einige haben früher in den Jugendmannschaften von Premier-League-Klubs gespielt, aber es hat nicht zur großen Karriere gereicht. Ein berühmter Name ist dennoch dabei: Bei Rhodri Giggs handelt es sich um den jüngeren Bruder des ManU-Stars Ryan Giggs.

Wie sich überhaupt der FC United of Manchester zwischen zwei Welten bewegt, denn er ist der vermutlich bekannteste Achtligist des Universums. Doch das alles zählt nicht, wenn am Samstag der Ball rollt. Dann geht es nicht gegen Glazer, sondern gegen Congleton. Und wenn Nugent trifft, brennt die Hütte. Wer braucht da noch Ronaldo und Rooney?

Jens Kirschneck

11Freunde vom September 2007, S.69, Kunstschuss