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FCUM-Serie im Schalke Unser

03. December 2006

Teil 3

Am 14.01.2006 fand das 145. Stadtderby zwischen den Erzrivalen Manchester City und Manchester United statt. Normalerweise für mich und viele andere Fans der "großen United" ein Fußballtag der ganz besonderen Art. Mittlerweile aber ist das Spiel fast nur noch Randerscheinung. Die Niederlage wird achselzuckend hingenommen. Denn 24 Stunden später ist der FCUM - der so genannte Rebel FC - wieder unterwegs.

Kaum sieben Monate nach der Gründung stellt der FC United of Manchester ein Phänomen dar, das den englischen Amateurfußball gehörig aufmischt und immer neue Rekorde aufstellt. Die Tabelle in der Moore & Co Construction Solicitors' North West Counties League Division Two (entspricht der zehnthöchsten Spielklasse) führt man nach 22 Spielen bei einer Tordifferenz von 74:22 mit 14 Punkten Vorsprung souverän an. Die Fortschritte außerhalb des Platzes sind nicht minder gewaltig. Diejenige, die die Entstehungsgeschichte des fangeführten Vereins mit Argusaugen betrachtet haben, dabei hoffend, dass die Anfangseuphorie schnell verpufft, müssen sich eines besseren belehren lassen. Die Realität sieht anders aus.

Dem 2:1-Heimsieg über den ärgsten Verfolger Winsford United am 2. Januar wohnten genau 4.328 Zuschauer bei: eine neue Bestmarke für die Liga. Mittlerweile ist der Zuschauerschnitt auf knapp 3.000 gestiegen, eine Zahl um die inzwischen sieben Profivereine den FCUM beneiden, unter ihnen auch der FC Bury, in dessen Stadion der FCUM seine Heimspiele austrägt. Der Gesamtzuschauerschnitt aller Vereine der NWC Division 2 (Stand 21.01.2006) beläuft sich dank der unbändigen Reiselust der FCUM-Fans auf stolze 395: eine Steigerung von 455,8 Prozent im Vergleich zur Saison 2004/2005, in der der Zuschauerschnitt pro Ligapartie ganze 71 betrug! Die Auswirkungen sind beträchtlich. Der FC Nelson z.B. freute sich beim Heimspiel gegen den FCUM über 2.011 zahlende Zuschauer. Sonst hat man aber während der laufenden Spielzeit nur einmal mehr als 100 Zuschauer begrüßen können. In einer normalen Saison rechnet man mit Zuschauereinnahmen von ca. 5.000 GBP (7.500 EUR). Da aber der Verein auch im Ligapokal gegen den FCUM antreten muss, dürften die Kartenerlöse aus den beiden Spielen mehr als das Zehnfache betragen. "Das Leben in dieser Spielklasse ist ein wahrer Kampf", sagt Geschäftsführerin Linda Treitl. "Somit haben wir ein schönes Polster für die kommende Saison."

Mittlerweile rühmt sich der FCUM einer internationalen Anhängerschaft mit Fanclubs in z.B. Zürich, Amsterdam und Warschau sowie in Neuseeland, Skandinavien und in den USA, wobei der harte Kern natürlich noch im Großraum Manchester zu finden ist. Als der Verein im Sommer 2005 mittels einer Zeitungsannonce zu einer Spielersichtung einlud, bewarben sich über 900 Aspiranten. "Es geht darum, einen nachhaltigen Verein zum Vorteil der Lokalbevölkerung, der Spieler und der Fans aufzubauen, einen Verein, in dem es um Fußball geht", sagt Manager Andy Walsh. "Mit diesem Anspruch sind wir nicht alleine. Es gibt viele Vereine, für die nur der Sport von Interesse ist. Angesichts unserer Entstehung ist es aber für uns eine ganz neue Erfahrung."

Wie an dieser Stelle bereits berichtet, entstand der FCUM aus einer Unzufriedenheit heraus. Zwar hat letztendlich die Übernahme von Manchester United durch Malcolm Glazer die Abspaltung ausgelöst, dennoch fühlten sich viele der "Abtrünnigen" in der entseelten Welt des modernen englischen Fußballs schon lange ausgedrängt. Während den Anhängern des AFC Wimbledon nach der Verpflanzung des Vorgängerklubs FC Wimbledon ins 140 Kilometer entfernte Milton Keynes wohl nichts anders übrig blieb, als einen eigenen Verein ins Leben zu rufen, wurde der FCUM von Menschen gegründet, die eine Wahl hatten, wenn auch eine ungeheuer schwierige.

"Dieser Verein symbolisiert den Widerstand gegen die Kommerzialisierung des Fußballs", sagt Walsh. "Im Fußball kann es so nicht weiter gehen, sei es mit der Machtposition der Familie Glazer oder dem ständigen Lechzen der großen Vereine nach immer mehr Fernsehgeldern. Im Sinne einer langfristigen Verantwortung handelt niemand mehr.

"Manche Leute sind mit dem, was wir gemacht haben, nicht einverstanden. Wir sind aber deswegen keine schlechteren United-Fans. Die Entscheidung, die Dauerkarte abzugeben, ist niemandem leicht gefallen. Aber auch für die, die weiterhin ins Old Trafford gehen, ist es nicht leicht gewesen. Das verstehen wir auch. Mit der Zeit wird sich zeigen, dass Glazer für United und für den Fußball schlecht ist: Niemand hat bisher darstellen können, wie er seine Schulden langfristig bezahlen soll. Aber diejenigen von uns, die Old Trafford boykottieren, gehören zur wachsenden Gemeinde der Entrechteten, der Leute, die sich den Stadionbesuch nicht mehr leisten können oder durch die asozialen Anstoßzeiten ausgegrenzt worden sind. Wir haben einen Nerv getroffen bei Fans, die zum Fußball gehen wollen aber nicht mehr bereit sind, die Übernahme des Fußballs durch big business zu unterstützen."

Auch wenn es weh tut, beim großen Manchester-Derby nicht mehr dabei sein zu können, sind die Spiele des FCUM mehr als nur ein Ersatz. Im Gegensatz zu vielen Stadien der Premier League herrscht in der Heimstätte der Rebellen eine bombastische Stimmung. "Im Vergleich zur Zeit vor 20 Jahren sind die Derbys kaum wieder zu erkennen", sagt Karl Marginson, Cheftrainer des FCUM. "Beim ersten Derby dieser Saison im Old Trafford herrschte eine tote Stimmung. Null Leben. Bei uns hingegen erlebt man "90:90-Fußball": 90% der Leute singen 90 Minuten lang. Dabei sind wir ein großes Risiko eingegangen. Wir haben gehofft, dass vielleicht 1.000 Leute zu den Heimspielen kommen. Aber das, was eingetreten ist, verdeutlicht, wie desillusioniert die Leute mit den Entwicklungen im Profifußball sind. Seit Jahren kriegen die Fans immer wieder zu hören, dass sie sich hinsetzen und ruhig sein müssen. Jetzt können sie sich wieder amüsieren." Allerdings!

Bis die Tage Duncan Disorderly