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FCUM-Serie im Schalke Unser

03. December 2006

Teil 1

Bis vor ein paar Wochen war ich mit Leib und Seele Fan von Manchester United. Seit beinahe 30 Jahren fahre ich da hin. Wie tausend andere Reds auch habe ich mein Geld bezahlt, habe gezittert, geflucht und nicht selten gejubelt. Auswärts wie zu Haus. Fast den ganzen Kontinent habe ich mit dem Verein bereist. Ohne United wäre ich vermutlich sonst nie auf die Idee gekommen, nach Lyon, Porto, Basel oder Lens zu fahren. Aber jetzt ist alles anders. Das Stadion werde ich wahrscheinlich nie wieder von innen sehen, es sei denn, es passiert ein Wunder. Und wisst ihr was? Das ist mir egal.

Wie euch sicherlich bekannt ist, hat der US-Milliardär Malcolm Glazer Manchester United gekauft. Irgendwann musste es ja soweit sein, da der Verein börsennotiert war und somit immer dem Risiko einer feindlichen Übernahme ausgesetzt war. Manch geneigter Leser, der nicht viel vom so genannten reichsten Club der Welt hält, wird vielleicht denken: Das geschah euch recht. Das mag sein. Die vielen Erfolge, die mit dem Börsengang einhergingen, aber auch viel mit den explodierenden Fernsehgeldern zu tun hatten, die United am besten in Erfolg umzusetzen wusste, haben wir gerne mitgenommen. Wir haben zwar gemeckert, weil alles zu teuer war und der Merchandising-Terror immer absurdere Ausmaße annahm und zu unmöglichen Zeiten gespielt wurde und wir nicht stehen durften und wir im Stadion zwar Bier trinken konnten aber nicht dort, wo man das Spielfeld noch sehen kann, weil es im Gesetzbuch tatsächlich so geschrieben steht, aber richtig aufgemuckt haben wir nicht.

Nun ist es also passiert und ich und viele andere haben geschworen bei dem Herrn (Cantona), keinen Fuß mehr ins Theater der Träume zu setzen, solange der Giftzwerg aus Florida die Regie führt. Von uns kriegt er keinen Penny mehr, ob müde oder nicht. Denn er hat mächtig viele Schulden auf sich genommen, um UNSEREN Verein zu kaufen. Schulden, die er inzwischen zum Teil auf eben diesen Verein übertragen hat. Diese (zurzeit läppischen 275 Millionen englische Pfund, aber Glazer wird dem Club sicherlich noch weitere Schulden aufhalsen) wollen auch zurückgezahlt werden. Aber nicht von mir. Ich kann keinen Verein mehr finanziell und vor allem emotionell unterstützen, der dem einzigen Zweck dienen soll, Gewinne für eine Einzelperson abzuwerfen. Die Zinslast ist enorm: Schätzungsweise wird Glazer 40 Million Pfund jährlich aufbringen müssen, um alleine die Zinsen zahlen zu können. Im letzten Jahr betrug der Jahresgewinn jedoch "nur" 25 Millionen Pfund. Man muss keine Finanzgenie sein, um zu kapieren, dass letztendlich die Fans die Rechnung in Form von noch höheren Kartenpreisen und Merchandising-Kram bezahlen müssen.

Die Fanszene ist gespalten. Viele, die noch während der vergangenen Saison die Anti-Glazer-Lieder kräftig mitgesungen haben, wollen jetzt erst mal abwarten und sehen, was passiert (nennen wir es einfach die "Kopf-in-den-Sand-Stecken-Taktik"). Andere schaffen es einfach nicht, den Verein zu boykottieren. Das kann ich verstehen, obwohl ich es nicht gut finde. Die Hardcore-Fans und solche, die meinen, den Knall gehört zu haben (und zu denen zähle ich mich natürlich auch, ähem) sagen aber: Das reicht! Schluss mit Lustig und Arschlecken. Und deswegen haben wir das Selbstverständlichste der Welt getan und die rote Revolution gestartet. Innerhalb von nur sechs Wochen wurde ein eigener Verein gegründet, ein Stadion gefunden und die Spielgenehmigung für die zehnthöchste Spielklasse Englands eingeholt. Es lebt der FC United of Manchester!

Die Zeiten von Premier League und Europapokal sind also vorbei. Unsere Welt ist jetzt die Moore & Co Construction Solicitors North West Counties League Division 2. Ist das nicht geil? Man braucht fast einen ganzen Absatz, bloß um den Namen der Liga auszuschreiben. Die Gegner heißen nicht mehr Liverpool, Juventus oder Real Madrid, sondern Blackpool Mechanics, Holker Old Boys und Castleton Gabriels. Macht aber nichts. Denn die Fans haben lange nicht mehr so viel Spaß beim Fußball gehabt. Beim FCUM ist absolutes Fußballfieber ausgebrochen. Das erste Pflichtspiel wurde bei Leek CSOB ausgetragen, Zuschauerschnitt 2004-05 laut Aussage des Geschäftsführers: 70 plus 2 Hunde und eine herrenlose Katze. Es kamen fast 2.600, davon 2.500 aus Manchester. Mehr als in der ganzen Saison zuvor! Der FCUM trägt seine Heimspiele im Stadion des englischen Viertligisten FC Bury aus. Beim ersten Heimspiel gegen Padiham verzeichnete der FCUM mit 2.598 sogar mehr Zuschauer als der Vermieter bei seiner Saisonpremiere. Ich bin überzeugt, dass bald 5.000 und mehr kommen werden.

Denn beim FCUM hat man alles, was man bei der "großen United" seit langem nicht mehr hat. Die Spiele finden zur traditionellen Uhrzeit statt: Samstags um 15 Uhr. Du kannst mit deinen Kumpels stehen, kannst dich frei bewegen und es gibt 90-Minuten-Dauergesang. Du kannst die Kinder mitnehmen, weil eine ermäßigte Karte nur zwei Pfund kostet. Du kannst sogar die ganze Familie mitnehmen, und zahlst trotzdem weniger als eine Eintrittskarte beim FC Glazer. Es sind viele Jugendliche zu sehen, die sich eine Karte für Old Trafford nicht leisten können. Sie haben Spaß am Fußball und werden wieder kommen. Die meisten Zuschauer aber sind echte Fußballfans, die vom modernen Fußball à la Premier League die Schnauze voll haben. Kommerz, Kommerz, Kommerz, soweit das Auge reichen kann. Und höchstens drei Mannschaften, die über das nötige Kleingeld verfügen und somit eine realistische Chance haben, Meister zu werden. Es ist langweilig geworden.

Wir FCUM-Fans haben gemerkt, dass wir uns wehren können. Wir lassen uns nicht mehr ausbeuten, nicht mehr verarschen. Wir haben unseren eigenen Verein gegründet, in dem jedes Mitglied eine Stimme hat und der Gewinn wieder investiert wird, anstatt in die Taschen eines Privatmanns zu wandern. Unser Verein, unsere Regeln! Der Körper des MUFC ist tot, aber der Geist lebt weiterhin beim FCUM. The future belongs to us…

Forza FCUM, Forza punk football!

Bis die Tage Duncan Disorderly